Die Karl-May-Szene

Fast jedes Jahr im Sommer findet ein Karl-May-Fest statt. Diese Veranstaltung ermöglicht den Freunden der Mayschen Literatur, den begeisterten Freilichtbühnen-Anhängern und natürlich besonders auch den Karl-May-Filmfans ein Zusammentreffen.

Bei folgenden Karl-May-Festen war ich anwesend: 1994, 1997 und 1999 in Bad Segeberg, 1995 und 1998 in Radebeul bei Dresden und 1996 in Berlin.

Aufgrund meiner Lex-Barker-Biographie kam ich zum ersten dieser Feste, die damals noch von Michael Petzel organisiert wurden. Aber selbst er hatte zu diesem Zeitpunkt und bei seinen Möglichkeiten (Lehrer, Verlagsbeziehungen usw.) noch kein Buch geschrieben, geschweige denn all die anderen, denen ich danach auch bei und zu ihren ersten Büchern verhalf. Manchmal muß man den Leuten einfach nur zeigen, was möglich ist, damit sie anfangen, an sich selbst zu glauben.

Traurig bin ich trotzdem, wenn ich das Gruppenbild aus dem Jahre 1996 in Berlin sehe, denn damals waren wir alle noch eine richtige Gemeinschaft. Die Buchveröffentlichungen bzw. einzelnen Erfolge meiner Freunde hatten zur Folge, daß heute kaum mehr einer mit dem anderen spricht, aber das war das wenigste, was ich gewollt hätte, denn die Karl-May-Feste waren damals für mich mit die schönsten Wochenenden in meinem Leben.


1)
Gruppenbild vom Karl-May-Fest 1996 in Berlin

 

 

 

01) Joachim Giel, Kameramann ZDF

02) Christos Tses Buchautor, Filmproduzent, Edgar-Wallace-Feste-Veranstalter

03) Arild Rafalzik *

04) Michael Petzel, Buchautor, Veranstalter der Karl-May-Feste

05) Martin Böttcher, Komponist

06) Joachim Kramps Sohn

07) Joachim Kramp, Buchautor 

08) Thomas Vogt, Fernsehfilm-Insider 

09) Joachim Kramps Frau, die Resolute!

10) Georges Freylinger (siehe Senta Berger)



Einige Anekdoten können Sie lesen unter:

*... aus meiner Autobiographie von 2004 

11) Erich Hammerler, Veranstalter der österreichischen Karl-May-Feste

12) Rainer Boller, Autor und Buchautor (häufig unsachlicher Werke)

13) Frank Wunderlich

14) Andreas Neumann, Parodist, ehemals „Trio Klaus & Klaus", Buchautor

15) Eva Ebner, Schauspielerin, ehemalige Regieassistentin von Alfred Vohrer

16) Frau Petzel

17) Eckhard Sieker, Filmrestaurator u.a. der Karl-May-DVDs

 

* Im Internet schrieb eine Schweizer Journalistin über mich: „Buchautor, Musik- 

und Filmproduzent, Multitalent." (Ich liebe die Schweiz und ihre Journalisten!)

 

 

2)  1996)  Als Teenager reichte ich Harald Leipnitz auf einer Veranstaltung ein Portrait von sich (aus dem Karl-May-Film „Der Ölprinz") zum Unterschreiben, und er flachste während des Signie- rens: „Ah, wer ist denn dieser grimmig aussehende Bursche da auf dem Bild?" 1996 auf dem Karl-May-Fest in Radebeul lernte ich ihn besser kennen. 1999 bekam ich die Aufgabe übertragen, ihn während der Zugfahrt nach Titisee/Neustadt zum Edgar-Wallace-Fest zu begleiten. 2001 durfte ich dann noch einen Nachruf auf ihn schreiben, denn er war am 21. November 2000 gestorben. Er hinterläßt für mich nicht nur als Schauspieler eine Lücke.

3)  1998)  Charles Fawcett, der Brite und Grandseigneur des Kinos, kann so unglaubliche Geschichten über sein Leben erzählen, daß es selbst schon eine Verfilmung wert wäre. In gut hundert Filmen spielte er meist „große Charaktere" oder stellte stattliche Erscheinungen dar, dies allerdings meist nur in Nebenrollen.

Filmauswahl: „Krieg und Frieden" (1956), „Der Knabe auf dem Delphin" (1957), „Old Shatterhand" (1964), „Onkel Toms Hütte" (1965), „Durchs wilde Kurdistan" (1965)

4)  1997)  Eddi Arent, mein Freund. Wir kannten uns schon einige Jahre und hatten einen kleinen „Kaffee und Kuchen"-Ausflug zum Feldberg gemacht. Da sagte er zu mir: „So, also jetzt offiziell, ich bin für dich der Eddi." „Ja", sagte seine Frau, „und ich bin die Franziska." Beide kann man einfach nur liebhaben! Franziska ist so ein Schatz, und es schmerzt mich sehr, daß es Eddi nicht gut geht.

Fernsehen Radio Bremen habe ich bei der „Höchstpersönlich"-Sendung über ihn mit ausgewählten Filmausschnitten, Fotos und guten Fragen an ihn unterstützt. Aber es gelang ihnen nicht, sein Inneres zu berühren, was ihn zu dem Satz verleitete: „Gott schütze mich vor Schnee und Wind und Leuten die vom Fernsehn sind." Das Beste daran war ... sie haben´s nicht herausgeschnitten.


5)  1995 erfuhr ich von „Winnetous Mörder" Rik Battaglia, daß er Irene Labhard schwer angebaggert hatte, bevor sie Lex Barkers vierte Frau wurde. Er hatte großes Zutrauen zu mir und erzählte auch noch freimütig, daß er „meinen" Lex nicht mochte, weil letztlich eben der Irene zur Frau bekommen hatte. Italiener sind keine guten Verlierer, wenn es um Amore oder die größere Filmrolle geht, aber nach drei Tage mit diesem Super-Typ zusammen (heute die Haare hinten zum Pferdeschwanz gebunden), verzeiht man ihm auch noch seine kleinen Filmschandtaten.

Teuflischer Rik Battaglia! Nicht im Film "Winnetou III" (1965) ist die Szene, in der der Schurke Rollins (links, nackt im Bild) versucht den gefesselten Winnetou mit Feuerwasser zu ertränken. 
Er erzählte mir (Bild rechts oben), das "Einlitern" beim wehrlosen Filmfeind persönlich genossen 
zu haben ... aber das wird natürlich niemals jemand von mir erfahren.

6)  Eine heitere Raddampfer-Fahrt mit Kelo Henderson auf der Elbe (Karl-May-Fest 1998 in Radebeul und Dresden). Er war der Cowboy aus „Der Schatz der Azteken" und „Die Pyramide des Sonnengottes". Damals wurde er auch wegen seiner Lasso- und Pistolentricks in diese zwei Karl-May-Filme genommen. Die Tricks von damals kann er immer noch („Look!"); er ist eben ein richtiger Cowboy und als dieser eine einmalige Ausnahme, oder haben Sie in Western-Filmen schon einmal Cowboys gesehen, die durchweg nett und freundlich sind?

 7)  Weil sie in ungewohnter Umgebung immer etwas ängstlich ist, durfte ich Marie Versini („Winnetous Schwester") zur „Fliege - Die Talkshow" (Bavaria-Filmgelände) begleiten. Für sie wurde es dennoch ein unglücklicher Tag. Sie war irritiert, als Pfarrer Fliege schon in ihrer Garderobe (Vorgespräch) eher einen „Psychologie-Zirkus" abzog: „Da bekamen Sie damals Abertausende Fanbriefe, hinter denen Tausende Menschen steckten, die etwas ganz bestimmtes von Ihnen wollten?" „Sorry, isch versteh´ nischt ?" Aber da ich selbst nicht wußte, worauf Fliege hinauswollte, konnte ich ihr weder hier noch später in der Sendung helfen. Unglaublich, wie er da ständig ihre deutsche Aussprache korrigierte: „Isch würden gerne ..." Fliege unterbrechend: „Ich würde gerne!" Thema Ende, weil Marie irritiert ist, „Bitte?" ... Ja, so ein ungehobelter Mensch! 

 



8)  Wer die Karl-May-Szene kennt, weiß, daß Pierre Brice als „Winnetou" der absolute Liebling der Mädchen war, während Lex Barker, der „Old Shatterhand"-Darsteller, als Filmheld mehr die Jungen ansprach. Noch heute sieht Pierre Brice für sein Alter toll aus, nur mit seiner resoluten Frau Hella sind seine Fans manchmal nicht allzu glücklich. Das ist verständlich, wenn man weiß, wie weit Verehrung und Zuneigung für Idole manchmal gehen kann. Einmal erzählte mir ein Mädchen folgendes Erlebnis mit ihm: „Ich liebte Pierre Brice abgöttisch, so sehr, daß ich mir schwor, nur er und kein anderer sollte ,mein erster Mann‘ sein. Ich trat deshalb dem Pierre-Brice-Fanclub bei, und dann kam er endlich auch einmal persönlich auf eines der Clubtreffen. Da warf sich plötzlich ein Mädchen, noch dazu eines, das ich überhaupt nicht ausstehen konnte, urplötzlich an sein Bein und umklammerte es. Jetzt war mir alles egal, ich rannte auch nach vorne und umklammerte ganz fest sein anderes Bein. Es war so peinlich, denn in diesem Augenblick ging die Tür auf, und seine Frau kam herein. Da ging Pierre Brice mit uns an den Beinen hängend Schritt für Schritt auf sie zu, schleifte uns mit und sagte zu seiner Hella: ,Was soll isch machen?‘ Ich wurde aus dem Fanclub geworfen, aber irgendwie finde ich schon einen Weg, Pierre Brice einmal wieder zu treffen", beendete sie ihre Geschichte.

Zum Glück war sie nicht auf diesem Filmball im Bayrischen Hof, und Pierre (hier mit seiner Frau Hella) hatte einen ruhigen Abend.

Er ist ein „großer Krieger" und ein absoluter Gentleman. Für mich war es ein schöner Abschluß der Erinnerungen an meine Karl-May-Jugendzeit, daß ich im Abspann der Kabel-1-Dokumentation „Auf den Spuren Winnetous" vom 1. November 2004 im Filmabspann mitaufgeführt wurde.